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Der Weinfreak bei der Nacht der Keller

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Kategorie: Rotwein, Süßwein, Weine Deutschland, Weine Südtirol, Weißwein

Ebenfalls in all dem Arbeitstrudel rund um die Albtraum verursachende iPhone App setzte sich der Weinfreak am vergangenen Wochenende auch noch ins geliebte Südtiroler Unterland ab. Rund um die Südtiroler Weinstraße veranstaltete nämlich die Region am 12. Juni die Nacht der Keller. Das klang im vorab so spannend, dass der Weinfreak einfach hin musste. Und Kamerafrau, Weinschwester und Weinschwager waren wie immer mit an Bord!

Videos dazu gibt es keine. Der Weinfreak hatte zwar sämtliches Equipment mit dabei, aber die anderen drei weigerten sich rigoros, auch nur auf 5 Sekunden Film gebannt zu werden.

Also bleibt nur die Nacherzählung.

Am Schönsten war eigentlich der Freitag Abend, einen Tag vor der eigentlichen Kellernacht. Da waren wir wieder einmal zu Gast im Schwarzadler Keller in Kurtatsch. Was es da alles Leckeres zu Essen und zu Trinken gab, hat der Weinfreak im rauschigen Zustand an die Facebook-Pinwand mit zitternden Fingern via iPhone gepostet. An all den Fehlern in den Posts erkennt man deutlich den Grad der Alkoholisierung … Neben all den wunderbaren Weinen – Terlaner Sauvignon von Ignatz Niedrist/Girlan, Blauburgunder “St. Valentin” von der Kellerei St. Michael/Eppan und der unbeschreiblich guten Gewüztraminer Spätlese “Terminum” der Kellerei Tramin – bestellte der Weinfreak aus purer Neugierde und keck inmitten des Südtiroler Unterlandes einen Riesling aus Rheinhessen, nämlich den Rotschiefer von St. Antony.

Die Kellnerin, die den ganzen Abend über einen super Job leistete, erzählte uns dazu die wilde Story, dass St. Antony deshalb auf der Karte stünde, weil St. Antony im Besitz des Herren sei, der einstens das Modelabel Street One groß gemacht, dieses dann verkauft und sich in Kurtatsch einen riesigen Hof nebst zahlreicher Weinlagen zugelegt hat. Hmmm, laut Internet ist das Weingut St. Antony im Besitz der Familie Meyer. Ob die Story unserer gewieften Kellnerin stimmt oder ob es sich dabei um eine Urban Unterland-Legend handelt, weil man den stinkreichen Piefke kritisch beäugt, lässt sich nicht sagen. Wer weiß mehr?

Doch zurück zum Thema: Den Rotschiefer kannte der Weinfreak dem Hören-Sagen nach, weil der Riesling bei den im April durchgeführten Twitter Wine Awards einer der Sieger war. Auch den Weinfreak nebst Familienanhang konnte dieser mineralische und extrem “trinkige” Riesling auf Anhieb überzeugen. Bei einem Preis unter 10 € wurde auch sofort nach Rückkehr eine Kiste für den eigenen Keller geordert nebst einigen anderen Weinen des Weinguts, die irgendwann demnächst in einer Weinfreak-Verkostung landen werden.

Am nächsten Tag, weit vor Beginn der eigentlichen Kellernacht, fuhren die vier Freaks von der Unterkunft in Kurtinig – wie ungewöhnlich, gar selten, aber in Kurtatsch war aufgrund Horden durstiger Senioren aus dem Norden alles belegt! – nach Eppan und später in die Eppaner Fraktion Girlan, Weine kaufen. Wenn es schon eine Nacht der Keller gab, weshalb nicht bereits die Nacht zum Tage machen?
Wenn Eppan, dann natürlich in die Kellerei St. Michael, die erklärte Lieblingskellerei des Weinfreak im Unterland. Und das fast ausnahmslos aufgrund deren wundervoller Premium-Linie “St. Valentin”. Von eben jener Linie musste der Weinfreak unbedingt den am Vorabend getrunkenen, samtig-weichen und nach feuchtem Waldboden riechenden Blauburgunder, der bei uns ein Später ist, kaufen. Und was entdeckten die geschwollenen Augen des Weinfreak dort im Verkaufsraum?

Hatten doch tatsächlich die Eppaner Kellereien Sondereditionen einiger ihrer Weine herausgebracht mit einem von einem Eppaner Künstler gestalteten Etikett zur Erinnerung an das Trainingslager der Deutschen Nationalmannschaft 2010! Als Fußball-Fans durften wir uns das nicht entgehen lassen und haben eine Kiste Weißburgunder bei St. Michael/Eppan und zwei Flaschen Blauburgunder bei Kellerei Schreckbichl/Girlan gekauft. Was ein Andenken!

Zur letzt genannten Kellerei ging es nach einem Essen im Marklhof in Girlan. Das Ambiente auf der Terrasse war den Vieren ein wenig zu sehr etepetete am helllichten Tage, aber die Ober waren allesamt freundlich und das Essen – der Weinfreak hatte Jakobsmuscheln mit Rieslingschaum, Parpardelle mit Wildschweinragout und eine Crème brûlée mit Waldfruchteis – sehr schmackhaft. Dazu gab es den nach des Weinfreaks und der Weinschwester Geschmack besten Gewürztraminer Südtirols, nämlich den Kolbenhof vom Hofstätter aus Tramin.

Bei der Kellerei Schreckbichl, sicherlich eine der renommiertesten Kellereien Südtirols, wurde blind deren Goldmuskateller Pfefferer gekauft. Der war nämlich schon bekannt und für lecker befunden. Zudem musste zwingend eine Kiste Sauvignon Lafòa her, der nach Erinnerung des Weinfreaks zum Besten zählt, was er je in Sachen Sauvignon Blanc getrunken hat. Und zwar gerade deshalb, weil er nicht das oft so typische Tropen-Bouquet, die Stachelbeeren und das Grasige offeriert, sondern wie der Kollege “St. Valentin” aus Eppan ein deutlich mineralischer-kräutriger Wein ist mit vielen Düften von blühenden Sträuchern. Herrlich!

Während der Einkauf bei Schreckbichl schnell erledigt war, gestaltete sich die Suche nach der Privatkellerei Ignatz Niedrist eher schwierig. Denn Niedrist ist entgegen der anderen Kellereien in Girlan nirgends angeschrieben, es gibt keine Internetseite und auch sonst scheint die Kellerei vor allem an die Gastronomie zu verkaufen und verzichtet auf sämtliches Marketing. Aber Weinfreak nebst Familie mussten die Kellerei zwingend finden, weil die Weinschwester geradezu fanatisch dessen Terlaner Sauvignon liebt, der deshalb auch am Vorabend im Schwarzadler Keller getrunken wurde. Mit jedem falschen Weg, in dem sich die Kellerei wiederum nicht befand, wurde die Schwester nervöser und ungeduldiger.
Irgendwann war der kleine Hof dann doch gefunden und die liebenswürdige Frau Niedrist (?) öffnete für uns den provisorischen Verkaufsraum und ließ uns einige Weine verkosten. Der Riesling war gut, musste aber beim Weinfreak durchfallen, weil er doch seit Neuestem den deutschen (Einstiegs-)Riesling für sich entdeckt hat und diesen bereits jetzt abgöttisch liebt. Und obwohl er zudem auch in jüngster Zeit den deutschen Spätburgunder für sich entdeckt hat und diesen nicht minder verehrt, konnte der Kollege Blauburgunder aus Girlan vollkommen überzeugen. Sauvignon und Blauburgunder eingepackt. Der Weinschwager, aktuell auf der Suche nach einfachen Roten, packte sich noch eine Kiste Vernatsch dazu.

Und weiter ging die muntere Fahrt in die Kellerei Tramin. Der Weinfreak war von Stefan Unterkircher, ambitionierter und talentierter Koch des in Elena Walchs Besitz befindlichem Castel Ringberg, in dem Weinfreak und Kamerafrau vor 5 Jahren Hochzeit gefeiert und nebst Gästen von Stefan nebst Team furios bekocht worden waren, eingeladen, ihn in der Kellerei beim “Tag der Offenen Tür” zu besuchen. (Ein Satz wie bei Thomas Mann, Mensch!)
Gefunden hat der Weinfreak den Stefan aber nicht, der war wohl in der Küche der neu umgebauten Kellerei unter Bergen von Töpfen und Pfannen eingekeilt. Gefunden wurde dafür eine ausgesprochen unfreundliche Mitarbeiter der Kellerei am Getränkeausschank.
Der Weinfreak, wie immer freundlich-höflich: “Grüß Gott”.
Die Mitarbeiterin daraufhin nur ein grantiges Glotzen, sonst keine Reaktion.
Am liebsten hätte der Weinfreak “Oschdie, i hon do schoun Dausende vu Eirou liegn lossn in da Kellerei, megsch amol vielleicht Grieß Gott sogn!” der Person in feuchtester Aussprache entgegen geschleudert, riss sich aber am Riemen, trottete freundlich-höflich davon und ließ es den Weinschwager an anderer Stelle versuchen.

Die probierten Weine – allesamt nicht bei den beiden großen Tramin-Video-Verkostungen dabei – schmeckten sämtlich nicht, was vielleicht gar nicht an den Weinen selbst lag, sondern an des Weinquartetts Ärger über die überforderten und wenig freundlichen Mitarbeiter, das puffige Rot der Deckenleuchten oder der Tatsache, dass die Vier schon lange bei 32-34 ° C Außentemperatur im Schatten unterwegs waren.

Die kühle Kellerei war deshalb schnell wieder verlassen, die in den Augen schmerzende Sonne hatte uns wieder.

Später dann, gegen 17 Uhr, begann dann der eigentliche Grund des Ausflugs, besagte Nacht der Keller. Aber alle vier Freaks waren bereits jetzt kaputt, erschöpft und hatten in weniger als 24 Stunden mehr Wein gesehen (nicht zwingend getrunken), als normale Trinker in 4 Wochen. Und so wollte keine rechte Reislust aufkommen. Denn bei der Nacht sollte es so von Statten gehen, dass sich der Vinophile per Shuttle-Bus bequem von Kellerei zu Kellerei schippern lässt, dort Weine verkostet, Keller besichtig, bis er sich irgendwann auf den Brustwarzen einher rutschend in den letzten Shuttle schleppt, der ihn dann zurück zum Ausgangspunkt fährt.

Dazu fehlten Weinfreak und Anhang schlicht die Lust. An den Busstationen trümten sich Törggelen erprobten Senioren aus Ländern nördlich der Alpen und hatten bereits weinseligen Glanz in ihren Augen. Das nennt man “Abschreckung”. Also verhockte das Quartett erst einmal in der Kellerei Kurtatsch, ihrem “Ort des Herzens”. Da ging es zünftig zu Dank lustigem Volksmusik-Duo, zu dessen Klängen nur die vier Verrückten laut mit sangen und rhythmisch in die in die Hände klatschten. Der Wein – vor allem der Müller-Thurgau Graun – war gut. Und der Weinfreak lernte den Facebook-Kollegen Arnold Kemenater kennen, der als Mitarbeiter der Kellerei zum Weinausschank verdonnert worden war.

Nach einer Essenspause in einer Jausen-Station hoch oben am Berg, die erwartungsgemäß frei von schwadronierenden Kellernacht-Besuchern war, ging es dann zurück nach Kurtinig. Den Winzer Martin Teutsch, dessen Webauftritt der Weinfreak gebastelt hat, wollten die Vier eigentlich besuchen, zumal dort eine ohrenbetäubende bayerische Blasmusi spielte, jedoch war kein Platz mehr frei im kleinen Hof. Also zogen die inzwischen arg müden Vier weiter zu Peter Zemmer. Dort gab es ein lauschiges Plätzchen, eine tolle Jazz-Band mit stimmgewaltiger Sängerin und unter anderem einen Grauburgunder – in Italien Pinot Grigio, der in Nase und Mund ganz fette Banane zu bieten hatte.

Dann war es aber auch gut und es ging zu Bett. Am nächsten Tag dann mit 8 Kisten Wein zurück Richtung Heimat.

Ein zwar schönes aber auch anstrengendes Wochenende!

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Comments

Hallo w.freak

nur so als Anmerkung, St. Michael liegt im Oberland und nicht im Unterland, (weil wenn du vom Unterland kommst, oder auch von Bozen, fährst du gen St. Michael ganz sicher nach oben, also ins Oberland hinauf). 😉

LG Ralf

Grias di, Ralf!

Ein Südtiroler Oberland ist mir nicht bekannt. (Oberland gibt es in Tirol, also in Österreich.)
Ich kenne nur das Südtiroler oder auch Bozener Unterland. Gemeint ist damit das Etschtal zwischen Bozen im Norden und Salurn im Süden. Und das umfasst auch Eppan.
Da Eppan (St. Michael ist ja “nur” eine Fraktion davon) westlich von der Etsch liegt, könnte man das Gebiet auch als “Überetsch” bezeichnen.
Aber egal, Hauptsache der Wein schmeckt 😉
Grüße.

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