• Twitter
  • facebook
  • youtube
  • iTunes Podcast
  • rss

Neuigkeiten abnonnieren

Der Weinfreak verkostet Weine von Peter Zemmer

(4)

Kategorie: Rotwein, Weine Südtirol, Weißwein

Gerade einmal 5 Tage waren der Weinfreak und seine Familie zurück aus dem Südtiroler Unterland, da wurden auch schon einige Weine der Kellerei Peter Zemmer aus Kurtinig im nicht-neutralen Verkostungsraum alias die “Bayerische Stube” beim Weinfreak daheim verkostet.

Kurtinig ist ein kleiner Ort im Südtiroler Unterland und befindet sich ganz im Süden Südtirols. Wenige Kilometer sind es jetzt noch bis zur italienischen Sprachgrenze. Nur Salurn und die Salurner Klaus’ trennt das zu 2/3 deutschsprachige Südtirol vom italienischen Trentino. Das Besondere an Kurtinig als Weinstädtchen ist die Lage in der Talsohle, früher war da mal Malaria-Sumpf. Das heisst aber auch, Kurtinig hat keine Weingärten an Hängen direkt am Ort, geschweige denn Steillagen. Die Weine aus Kurtinig stammen von Rebstöcken im Tal rund um den Dorfkern oder aber aus Hanglagen in der Nähe oder von benachbarten Ortschaften.

Das Weingut Peter Zemmer wurde von eben jenem anno 1928 als Weinhandelsbetrieb gegründet. Aktuell führt Helmuth Zemmer in 3. Generation das Unternehmen an. Zemmer wird nicht jedem bekannt sein, er gehört zu den kleineren Produzenten Südtirols, ist aber vor allem aufgrund der Eigenart bekannt, Sekt zu produzieren. Höchst ungewöhnlich, da finden sich nicht allzu viele.
Die Weine werden aus den Trauben der eigenen Weingärten und denen von etwa 100 Bauern als Zulieferer produziert. Qualitätsstufen gibt es – wie bei fast allen Weinproduzenten in Südtirol – drei: Klassiker, Selektion und Reserve.

Mal sehen … Vorneweg, der Eindruck bzw. die Befürchtung der Verkostung der Weine der Kellerei Kurtatsch setzt sich fort: Die Weine sind krachig, fett, wenig filigran oder gar raffiniert. Zeichnet sich da eine Entwicklung in Südtirol ab, die dem Weinfreak gar nicht schmeckt? Wird hier Südtiroler Typizität und Eigenständigkeit einem neuen, internationalen Weinstil geopfert? Beim Tiefenbrunner und seinem Jahrgang 2008 hat es der Weinfreak schon im letzten Jahr feststellen müssen. Dann heuer Kurtatsch, jetzt Zemmer … wird das so weiter gehen? Weingott bewahre!

Doch jetzt mal ins Detail:

Erzeuger: Peter Zemmer Rebe/Cuvée: Sauvignon blanc
Wein: Sauvignon Klassik Jahrgang: 2009
Region: ST Weinstraße, Südtirol, Italia Alkohol: 13,5 % vol.

Gekauft: bei der Kellerei Preis: 8,10 € / 0,75l
Verkostet: 13.03.2010 in Illerberg Wertung: ♦♦♦◊◊ (82)

Wunderbare Nase von Maracuja pur, dann im Mund völlig unharmonische Säure, da liegt was quer! Dazu schon wieder diese hefige Noten. (Der Weinfreak glaubt nicht, dass es am viel zu jungen Alter des Weins liegt. Die Schuld sieht er in der Kellerphilosophie: stundenlange Kaltmazeration (da werden bei niedrigen Temperaturen die festen Traubenbestandteile (Maische) im Most belassen) und wahrscheinlich zu langes Liegen auf den Hefen, Mensch!) Dazu ein Nachhall, der keiner ist, gleich weg.

 

Erzeuger: Peter Zemmer Rebe/Cuvée: Gewürztraminer
Wein: Gewürztraminer Klassik Jahrgang: 2009
Region: ST Weinstraße, Südtirol, Italia Alkohol: 13,5 % vol.

Gekauft: bei der Kellerei Preis: 9,50 € / 0,75l
Verkostet: 13.03.2010 in Illerberg Wertung: ♦♦◊◊◊ (78)

Hefe, Hefe und nochmal Hefe. Mehr kann der Weinfreak dazu nicht sagen! Außer vielleicht, dass laut Erzeuger die bis zu 8 Stunden Kaltmazeration die Fruchtigkeit besser betonen soll. Von Fruchtigkeit keine Spur! Will ich nicht haben!

 

Erzeuger: Peter Zemmer Rebe/Cuvée: Gewürztraminer
Wein: Gewürztraminer Reserve Jahrgang: 2008
Region: ST Weinstraße, Südtirol, Italia Alkohol: 14,0 % vol.

Gekauft: bei der Kellerei Preis: 13,40 € / 0,75l
Verkostet: 13.03.2010 in Illerberg Wertung: ♦♦♦◊◊ (85)

Das Highlight des Abends für den Weinfreak, ein kleiner Lichtblick! (Das war auch der einzige Wein, den er nach der Verkostung mit dem obligatorischen Ausgespucke getrunken hat.) Der Reserve zeigt – endlich! – eine typische Gewürzernase. Aprikosen, pfeffrig, nelkig und Kräuter, na also! Am Gaumen wieder kräutrig und gelbe Früchte, ein wenig zu alkoholisch, leicht brandig. Der Nachgang ist moderat, insgesamt ein Wein, der Spaß bringt.

 

Erzeuger: Peter Zemmer Rebe/Cuvée: Lagrein
Wein: Lagrein Klassik Jahrgang: 2008
Region: ST Weinstraße, Südtirol, Italia Alkohol: 13,0 % vol.

Gekauft: bei der Kellerei Preis: 8,90 € / 0,75l
Verkostet: 13.03.2010 in Illerberg Wertung: ♦♦♦◊◊ (85)

Der Standard-Lagrein vom Zemmer hat dem Weinfreak tatsächlich besser gefallen, als der Reserve, tja. In der Nase ganz viel Sauerkirsch, nicht marmeladig, sondern frisch. Im Hintergrund etwas Vanille. Die Tannine (das sind die Gerbstoffe in den Traubenschalen, die im Mund das Gefühl von Trockenheit verursachen bis hin zu einem pelzigen Gefühl, erklärt der Weinfreak) sind schon jetzt gut zu packen, die Säure ist ausgeprägt und verleiht dem Wein einen angenehmen Charakter.

 

Erzeuger: Peter Zemmer Rebe/Cuvée: Lagrein
Wein: Lagrein Reserve Jahrgang: 2007
Region: ST Weinstraße, Südtirol, Italia Alkohol: 13,0 % vol.

Gekauft: bei der Kellerei Preis: 14,20 € / 0,75l
Verkostet: 13.03.2010 in Illerberg Wertung: ♦♦♦◊◊ (84)

Der Top-Lagrein des Weinguts zeigt Noten dunkler Beeren, etwas Rosmarin, aber all das wird überlagert von Holz und noch mal Holz. Komplett “overoaked” (das kommt vom Holz der “Barrique” genannten Eichenholzfässer, in denen viele Weine ausgebaut werden) die Geschichte! Im Mund dann wieder zu viel Holz, die Tannine sind noch so grob, dass sie dem Weinfreak beinahe den Gaumen zerreißen. Der ist – wie eigentlich alle verkosteten Weine – noch zu jung zum Trinken.

 

Erzeuger: Peter Zemmer Rebe/Cuvée: Lagrein (50%) + Merlot (30%) + Cabernet Sauvignon (10%) + Cabernet Franc (10%)
Wein: Cortinie Rosso Jahrgang: 2007
Region: ST Weinstraße, Südtirol, Italia Alkohol: 13,0 % vol.

Gekauft: bei der Kellerei Preis: 10,80 € / 0,75l
Verkostet: 13.03.2010 in Illerberg Wertung: ♦♦♦◊◊ (84)

Die Cuvée “Cortinie” (von einer Cuvée oder Verschnitt oder Blend spricht der Weinprofi, wenn ein Wein aus mehreren Rebsorten besteht) produziert Zemmer seit 2003, eine in weiß und eine in rot. Wir hatten die rote. In der Nase die typischen Kirschen (das passt bei Rotwein ohnehin immer), rote Beeren, erneut, wie beim Lagrein Reserve, zu viel Holz. Das überlagert alles. Im Mund dann rote Früchte am Holzstil, hm. Am mittleren Gaumen geradezu flach, Nachgang akzeptabel. Für den Preis in Ordnung.

 

Jetzt ist es spät geworden und der Weinfreak muss ins Bett. Er wird von Südtiroler Weinen träumen, die nicht so modern daherkommen, sondern so sind, wie er sie liebt: Feingliedrig, elegant, mineralisch, ausgeglichen, entspannt-kühl. Schean, pfiat enk!

Ähnliche Beiträge

 

Comments

Hi, Grüße aus Südtirol.
Wenn du mal wieder in Südtirol bist, kannst mit uns auf Tour kommen. ..müsstest aber früh genug bescheid geben….
Grüße

kompliment übrigens zur interessanten Seite und den lesenswerten Verkostungsnotizen… von einem Weinfreak aus Südtirol!

Hoila Reinhard!
Vielen Dank für Deine netten Kommentare! Das nächste Mal “Südtirol” gibt es am kommenden Freitag, da findet die erste Verkostungsrunde Kellerei Tramin statt. Darauf freue ich mich und bin gespannt. Zum einen, weil Tramin bei mir traditionell zu den Lieblingen gehört, zum anderen, weil ich wissen möchte, ob sich mein Eindruck einer Änderung im Südtiroler Weinausbau (Tiefenbrunner, Zemmer, Kurtatsch) bestätigt oder – hoffentlich – nicht.
In Südtirol selbst werde ich leider erst wieder vom 11.-13. Juni sein, um an der “Nacht der Keller” teilzunehmen.
Liebe Grüße, pfiati!

[…] Weinstraße. Nach wenig freudvollen Verkostungen der Kellereien Tiefenbrunner, Kurtatsch und Peter Zemmer stellen wir uns die Frage: “Südtirol, quo vadis?” Würden auch die Weine von Tramin […]

Einen Kommentar hinterlassen

You must be logged in to post a comment.